Die Geschichte der P8
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts suchten die Königlich Preußischen Staatseisenbahnen (KPEV)
nach einer leistungsfähigen und zugleich wirtschaftlichen Lokomotive für den mittelschweren
Personenzugdienst.
Unter der Leitung des legendären Lokomotivkonstrukteurs Robert Garbe
entstand schließlich die P8, deren erste Maschinen ab 1906 gebaut wurden.
Die Konstruktion galt für ihre Zeit als modern, robust und vergleichsweise wartungsfreundlich.
Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, den ausgezeichneten Laufeigenschaften und
der hohen Zugkraft war die P8 sowohl vor Personenzügen als auch vor leichten Schnellzügen
und Güterzügen einsetzbar.
Der Erfolg war überwältigend: Bis 1923 entstanden allein für die preußischen Staatsbahnen
mehrere tausend Exemplare. Zusammen mit den späteren Nachbauten entwickelte sich die P8
zu einer der meistgebauten Personenzuglokomotiven Europas.
Einsatz in Länderbahnzeit und Krieg
Bereits in der Epoche der Länderbahnen verbreitete sich die P8 rasch über große Teile
des Deutschen Reiches. Nach dem Ersten Weltkrieg gelangten zahlreiche Maschinen als
Reparationsleistungen in verschiedene europäische Länder, wodurch die Baureihe weit über
Deutschlands Grenzen hinaus bekannt wurde.
Auch während des Zweiten Weltkriegs war die P8 nahezu überall anzutreffen.
Ihre einfache Technik, hohe Zuverlässigkeit und vielseitige Verwendbarkeit machten sie
zu einer unverzichtbaren Lokomotive im Kriegsalltag.
Sie beförderte Truppen- und Versorgungstransporte ebenso wie zivile Reisezüge und blieb
selbst unter schwierigsten Bedingungen einsatzfähig.
Die P8 in Europa
Deutschland – DB und DR
Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieben zahlreiche Maschinen sowohl bei der Deutschen Bundesbahn
als auch bei der Deutschen Reichsbahn der DDR.
Bei der DB wurden die Lokomotiven ab 1968 als Baureihe 038 geführt,
während die DR ihre Maschinen weiterhin als Baureihe 38 einordnete.
In Westdeutschland endete der Planeinsatz der letzten Maschinen Anfang der 1970er Jahre.
In der DDR hielten sich einzelne Exemplare noch etwas länger im Einsatz und waren besonders
im Nebenbahnverkehr anzutreffen.
Österreich
Auch in Österreich hinterließ die P8 deutliche Spuren.
Mehrere Maschinen gelangten nach dem Krieg zu den Österreichischen Bundesbahnen und wurden
dort als Reihe 638 eingereiht.
Besonders auf Nebenstrecken bewährten sich die robusten Lokomotiven noch viele Jahre lang.
Frankreich
In Frankreich kamen zahlreiche P8-Lokomotiven als Reparationsleistung und später erneut
infolge der Kriegsereignisse zum Einsatz.
Bei der SNCF wurden sie unter anderem als Reihe 230 F geführt und erfreuten sich wegen
ihrer Zuverlässigkeit großer Beliebtheit.
Belgien
Die belgischen Staatsbahnen übernahmen ebenfalls zahlreiche Maschinen.
Dort waren die Lokomotiven über Jahrzehnte hinweg im Personenverkehr im Einsatz und gehörten
vielerorts zum alltäglichen Erscheinungsbild.
Dänemark
Auch in Dänemark fanden einige P8-Lokomotiven eine neue Heimat.
Die DSB setzte die Maschinen insbesondere im regionalen Personenverkehr ein,
wo sie ihre Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit erneut unter Beweis stellen konnten.
Der Umbau zur Baureihe 78.10
Ein besonders interessantes Kapitel der P8-Geschichte stellt der Umbau zweier Lokomotiven
zur späteren Baureihe 78.10 dar.
Dabei wurden zwei Maschinen mit einem zusätzlichen Nachlaufdrehgestell versehen,
um Laufeigenschaften und Einsatzmöglichkeiten weiter zu verbessern.
Die Umbauten blieben jedoch Einzelstücke und führten nicht zu einer Serienfertigung.
Dennoch zählen sie heute zu den spannendsten technischen Sonderentwicklungen auf Basis der P8.
Erhaltene Lokomotiven
Trotz der enormen Stückzahl überlebten nur vergleichsweise wenige Exemplare bis heute.
Umso bedeutender sind die erhaltenen Maschinen, die noch immer an die große Zeit
der europäischen Dampfeisenbahn erinnern.
Besonders bekannt ist die 38 2267 der Stiftung Eisenbahnmuseum Bochum.
Die eindrucksvoll aufgearbeitete Lokomotive zählt zu den bekanntesten betriebsfähigen
P8 in Deutschland und begeistert regelmäßig Eisenbahnfreunde bei Sonderfahrten
und Veranstaltungen.
Ebenso bemerkenswert ist die 38 1301 der ÖGEG in Österreich.
Die traditionsreiche Maschine erinnert eindrucksvoll an die jahrzehntelange Einsatzgeschichte
der P8 auf österreichischen Strecken und stellt bis heute ein bedeutendes Zeugnis
europäischer Eisenbahngeschichte dar.